Hessisch Snow Walking

Der Sommer scheint endgültig vorüber zu sein: Heute Nacht fiel der spätsommerliche Regen in einem Aggregatzustand herunter, der auf diesen Klimawandel schließen ließ. Auch war es nicht mehr ganz warm genug, im T-Shirt auf dem Plemperbänkelsche ein Schöppsche zu petzen.

Auch unser Hirn muss einem Klimawechsel anheim gefallen sein. Denn anders ist es kaum zu erklären, warum die Froschkönigin und ihr Wolpertingerprinz sich vom gemütlich-warmen Sofa erhoben und sich anschickten, ausgerechnet bei diesem Schmuddelwetter ihre Nordic Walking Stöcke, die seit Monaten im Keller verstaubten, herauszuholen, kurz aber heftig mit der Klettbefestigung am Handgelenk zu kämpfen und anschließend tapfer und zügig ausschreitend das Bad Sodener Hinterland zu erkunden.

Erstaunlich flott, mit Schnaufpausen nach je 100 Metern, und ohne irgendwelche Rückenbeschwerden, umrundeten sie tapfer den nördlichen Winterwald hinter ihrem Haus, um nach einer Stunde, erschöpft aber glücklich, zwei Stück Käsekuchen in den Ofen zu schieben, um den drohenden Kalorienverlust einigermaßen auszugleichen. Nun sind sie beide wieder in ihrem Sofa versunken, wärmen ihre ausgezehrten Körper und überlegen, welche geniale Ausrede eine morgige Wiederholung dieses sportlichen Ausrutschers zuverlässig verhindern könne. Aber tief in ihren liebenden Herzen sind sie ganz schön stolz, diesen unglaublichen Schweinehund gemeinsam überwunden zu haben.

Rocker im Kurpark!

Jetzt bin ich enttarnt. Dabei dachte ich, gut verkleidet gewesen zu sein. Vor allem in Begleitung meiner Liebsten wäre ich nie auf die Idee gekommen, so schnell durchschaut zu werden. Dabei war die Beste aller Rockerbräute stets an meiner Seite und unterstützte mich beim Rocken liebevollst, half mir aus dem Stuhl hoch, tupfte mir die schweissige Stirn, kühlte meine Klatschhändchen und massierte die lädierte Hüfte. Nur meinen Blutdruck bekam sie nicht in den Griff. Kein Wunder bei ihrem Anblick. Ja, ja – Rockerschicksal!

Too wet to Rock’n Roll

hätte man das Jethro Tull Konzert in Bad Brückenau – in Anlehnung an Ian Andersons „Too old to rock’n roll – too young to die“ auch überschreiben können. Woodstock Feeling kam unter der Fangemeinde der zumeist ergrauten, alten Säcke mit dicken Bäuchen auf, als zur zweiten Halbzeit der Regen wieder kam, der schon die ganze Fahrt zum Konzert angedauert und die Stühle klatschnass gemacht hatte. Nachdem wir die Sitze getrocknet und eine einigermaßen bequeme Sitzhaltung gefunden hatten (unzumutbares, weil viel zu schmales und eng aufgestelltes Gestühl für unser Einen), kam Hoffnung auf, dass es trocken bleiben würde.
Ian Anderson stellte seinen Opening Act, die süße Saori Jo, persönlich vor und die junge Dame rockte sogleich solo am Piano los, als sei Kate Bush in einen Jungbrunnen gefallen und wäre dann mit Tori Amos und Katie Melua verschmolzen. Der Abend schien richtig gut zu werden, als sie uns in einem Lied aufforderte, noch eine Nacht zu bleiben, damit sie am Leben bleiben könne. Wir alle wären dazu bereit gewesen (wenn unsere Liebsten neben uns nicht so komisch geguckt hätten). Mehr von Saori Jo gibt’s hier (auch dieses „Stay” zu hören): http://www.myspace.com/saorijo
Viel zu kurz war ihr Auftritt, für einen Song verstärkt vom Meister und einem Teil seiner Band persönlich. Kurzer Umbau und Ian rockte los. Zunächst verhalten mit Stücken von vor fast 40 Jahren, dann immer druckvoller. Alecs Kommentar: „Mann – gehen die ab!“. Das aller höchste Lob für einen Rock’n-Roll-Rentner von einem 20 jährigen Force-Attack-Jünger.
Dann kam der Regen doch noch. Wir kramten unsere Abdeckplanen hervor und verkrochen uns darunter, ein Guckloch freihaltend. Das Gesäß schon lange nicht mehr spürend, die Wirbelsäule anatomisch unmöglich verkrümmt, die Füße nass – aber ansonsten völlig glücklich – bejubelten wir einen Jethro Tull Abend voller ausgelassener Spielfreude mit einem hervorragend ausgesuchten Mix der alten Hits. Leider war nach anderthalb Stunden, inkl. der obligatorischen Locomotive-Breath-Zugabe, definitiv Schluss.
Hatte sich Ian noch kurz vorher über den alternden Mick Jagger lustig gemacht, vermute ich nun doch stark die gleichen Alterssymptome am Herrn der Querflöte, seinem (schon immer) debil aussehenden Schlagzeuger Doane Perry und dem weißhaarig-hageren Gitarren-Zweitgott (neben Clapton) Martin Barrè. Sollen sich mal ein Beispiel an anderen Rockopas nehmen, die treiben es für 60 Euronen wesentlich länger!

Hier das verliebte Rock’n Roll Pärchen unter der Plane und der Blick durch selbige auf die Rockopas:

Hurra, wir leben noch!

Mieser Vorrundenauftakt bei der EM, schwindelerregende Ölpreise, verfassungsgemäße Studiengebühren, exorbitante Rentenerhöhung, und was weiß ich noch: Kein Grund zum Jubeln. Und dennoch: grenzenlose Begeisterung! Warum? Weil wir verliebt sind, tolle Kinder und nette Freunde haben und weil wir gesund sind und das Essen nicht nur schmeckt, sondern im Überfluß verhanden ist. Wenn jetzt Deutschland gegen die Ösis auch noch rausfliegt, kennt der Enthusiasmus keine Grenzen mehr!

Bärige Tage in Berlin

Schee wars! Viereinhalb Tage in der Hauptstadt sind wie drei Wochen Weltreise!

Ganz herzlich begrüßt und versorgt von unserer guten alten Freundin (Dankschön, Biggi!) haben wir bei Kaiserwetter mit frischer Brise so viel entdeckt. Kulinarisch kaum je zuvor Gekostetes, touristisch das Übliche und aus den vielen kleinen Läden, aus den man kaum wieder raus gehen mag, ein paar Stehrumchen und Staubeinchen mitgenommen. Sie wollten es unbedingt.

Dazu viel Spaß gehabt. Und ein paar Blasen. Brüderchen getroffen. Und trotz des Rumgerennes richtig erholt. Jedenfalls im Kopf. Wir kommen wieder!

Wer mehr schauen will, bitte sehr: fotos.web.de/kritzlibaer/Berlin_im_Mai_08

Wäldcheslust

Einmal im Jahr muss es sein: Sardinen bei den Portugiesen im Frankfurter Wäldsche. Diesmal noch mit gegrillten Tintenfischen. Leckerer geht’s kaum noch.

Anschließend ein staubiger Bummel durchs Gewühl. Die Sonne zog tout Frankfort in den Wald. Da helfen ein paar Sauergespritze, von der Liebsten ganz liebevoll frisch nachgeschenkt.

Die großen Fahrgeschäfte sind öde und gehören hier eigentlich nicht hin. Die kleinen dagegen bringen eine Menge Spaß. Den Kleinen zumindest.

War’s der Äppler oder einfach nur der schöne Abend: Die Kids sind gut drauf und haben Spaß als „Mama“razzi.

Happy Birthday, alter Sack!

Die Presse hat es rausgekriegt! Nun kann ich es nicht mehr länger leugnen. Meine Liebe gehört meiner Froschkönigin und dem wilden Leben auf der Straße. Easy Rider seit mehr als einem halben Jahrhundert. Andere nennen es Midlife Crises. Ich nenne es Bestimmung. Jetzt hält mich nichts mehr: Stützräder an das Bike und ab geht die Luzie!zeitung_henning.jpg

Auch die TV-Sender haben sich des heißen Themas angenommen und alte Dokumente gefunden, die eindeutig beweisen, wie konsequent man damals versuchte, einen angepassten Zombi aus mir zu machen! Doch jetzt ist damit Schluß! Ab heute wird die verkorkste Jugend nachgeholt!

nachricht_henning.jpg

Mein neuer Ausweis ist in meinen Händen. Nichts wird mich jetzt noch aufhalten, von der Windel bis zum ersten Erguß alles noch einmal zu erleben. Aber diesmal mit Genuß! Alles werde ich anders machen! Nur eines nicht: Die selben Frauen lieben. Besonders meine Lebensendabschnittsgefährtin, meine über alles geliebte Froschkönigin!ausweis_henning.jpg

Happy Birthday, geliebteste Tanzbodenkönigin!

Du hast es so gewünscht! Jetzt gibt es kein zurück mehr! Wir werden zusammen die Tanzdielen des Mainz-Kinzig-Kreises erzittern lassen. Mach Dich gefasst auf megalangsamen Walzer, links rum natürlich, Rentner-Rock’n Roll, Jurassic-Park-Jive, Senioren-Swing und – tätätää! – Tango Infernale Senile ! Ich bin bereit. Ob es die Tanzschule unseres Vertrauens auch ist, werden wir ja sehen. Suchen wir uns gleich eine aus. Ich freu mich drauf!

letsdance_titel_rgb.jpg

Mit 88 Jahren

… kann man noch eine Menge Spaß haben! Am Samstag jedenfalls warst Du richtig gut drauf, Mutti. Alles Gute und mach‘ nur weiter so. Auf diese Oma sind Deine Enkel ziemlich stolz. Schade, daß die beiden im Abi- und Studiumsstress steckten und nicht erleben konnten, wie vital und vor allem wie geistig fit man in diesem Alter noch sein kann.  Deine Schwestern, Dein Schwager Willi und Deinen Ältesten mit seiner Karin hat die gute Laune sichtlich angesteckt und so war es sicher nicht nur Sigrids göttlicher Frankfurter Kranz, für den meine Liebste morden könnte, der zur fröhlichen Stimmung beitrug. Dazu noch die kreativen Kochkünste von Armin. Ein paar leckere Weinchen lockerten die Zunge und die Erinnerungen. Schade, daß wir nicht bleiben konnten.

Jetzt freuen wir uns auf Deinen Besuch in unserem neuen Nest und das Kennenlernen unserer Mütter.

omeli88b.jpg

omeli88.jpg